Nordnacht - Lyrik, Prosa und Malereien von Mara Krovecs


Aus einem Gedichtzyklus   1/8




Lippenberührungen

*

Mit deinen Lippen
führst du mich in Tiefen
kosmischer Glashäute
in denen es schwingt
wie auf einer Kirmes

nur in der Stille

kräuseln sich die Flussläufe
fliegendleicht
gewunden

aus Zungen
aus Fingerspitzen
berühren
verborgene
Urwälder unserer
Sternleitungen
Grenzen
die Blau leuchten

wir drehen uns in den Kreis
blütenweich in die Sprungfedern

Nebelozeane rauschen
um schwarze Löcher
in heißrote Seewellen
ich ergebe mich
dem Mensch sein
dem Atmen und Fühlen
ich sterbe im Lichtrhythmus
weiß von neuem


dass ich Tau
von Mondbroten
schmecken kann

 

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Nordnacht

 

Unter Mondsterne getaucht
fließen Formen über
Pol-Atem streicht über die Gräser
im bleichen Sand –

aus Steinhäuten wachsen
Stämme und Blätter
bis ein Flintwald Schatten
über Krebsschalen und Muscheln wirft


*

mit wellendem Haar
erhebt sich Freya aus dem Säuseln
spiegelnder Silbergischt
im Klingen schwarzblauer Seelen
steigt die Göttin aus dem Sandbett
singt wehmütig in das Nachtlied
ewig flimmernder Lichter


*

zwischen den Steinen schlafen Liebende
bis der große Wagen Freyas
in die Himmelsgärten fährt
mit dem Schrei der Eule
beginnen die Uhren
aus Bernsteinen und Donnerkeilen
zu schwellen – die Zeiger laufen seitwärts
Mitternacht ist längst vorbei.


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